Drei Tage Kanumesse reichen unmöglich aus, um all die Neuigkeiten zu sehen, geschweige denn, alle interessanten Aussteller zu besuchen und alles unter die Lupe zu nehmen. Dennoch: die Zeit will genutzt sein. Hier der Nachschlag zum dritten Tag in Nürnberg. Es war interessant.
Gatz sorgt für beste Haltungsnoten
Der Kanadierbauer aus Köln stellte auf der Messe seine neuste Entwicklung vor: den Ojibwa, ein klassisches Indianerboot in Birkenrindenoptik. Ein Kanadier, der etwas Fahrpraxis voraussetzt. Denn hier kommt der Rundspant zum Einsatz, der dem Ojibwa mit seiner Länge von 4,60 Meter (90 Zentimeter breit), zu besten Manövriereigenschaften verhilft. „Mit dem kannst du tanzen", so Gatz-Mitarbeiter Eric Thomson. Der asymetrische Rumpf wird in Kohle/Kevlar-Laminat gefertigt und mit Eschenholzeinbauten ausgestattet. Die Sitze sind in der Neigung verstellbar. Der Name Ojibwa leitet sich übrigens von einem Indianerstamm aus dem großen Seengebiet Nordamerikas ab.
Im Kanadier zu sitzen, wie in einem Sattel, das ist nun Wirklichkeit, Dank des neuen Sitzhöckers aus dem Hause Gatz. Anstatt des serienmäßig eingebauten Sitz, wird der Sitzhöcker mit seiner Gummimatte in das Kanu gegeben. Die erste Sitz- bzw. Knieprobe hat begeistert. Der Sitzhöcker sorgt für eine perfekte Körperhaltung beim Einsatz eines Stechpaddel und die bequeme Gummimatte entlastet die Beine. Ein feines Teil, das sich Gatz hier ausgedacht hat. Abends, lässt sich der Sitzhöcker im Handumdrehen zum perfekten Sitzmobiliar am Lagerfeuer umfunktionieren.
Nautiraid gibt Gummi
Schon seit geraumer Zeit arbeitet Nautiraid mit dem Ukrainischen Faltboothersteller Neris zusammen. „Dadurch können wir unsere Kajakpalette auch mit günstigeren Booten ergänzen", so Bruno Maitre. Das neuste Kajak, das Nautiraid vertreibt heißt Voyage. Dabei handelt es sich um ein fünf Meter Langes Luftboot, das in einen Packsack Platz findet, mit drei Sitzen – also familiengeeignet. Beim Voyage bestätigt sich wiedereinmal Osteuropäische Mentalität. Denn hier steht nicht zwingen die Optik im Vordergrund, sondern es muss praktisch, robust und gut verarbeitet sein. Dies alles trifft auf den Voygage zu.
Seabird Designs: Die sportliche Linie
Surfskis, sportliche Flitzer für das offene Wasser gab es bei Seabierd Designs zu sehen. Die neu entwickelten Kajaks gehen ab wie die Post, sie haben Wettkampfqualitäten. Salt 51, Salt 55, Salt 59 heißen die Renner. Die Zahl steht jeweils für die Breite bei einer gemeinsamen Länge von 520 Zentimeter.
Auf dem Stand war auch das neue Mulit-Outdoor-sit-on-top Ranchero 12 zu sehen. Eigentlich schon eher eine Symbiose aus sit-in und sit-on-top. So eignet sich der Ranchero 12 sowohl für kleine Touren als auch zum Angeln bestens. Er verfügt über sechs eingebaute Angelhalter. Auffällig am Ranchero 12 sind seine robuste, stabile Verarbeitung und die hohe Sitzposition.
Mit am Seabird Design-Stand, übrigens einer der größten auf der Messe, war Björn Thomasson, der Designer der Kajaks Black pearl, Qanik, Wave und der Surfskis Salt. Thomasson gilt als einer der erfahrensten und beliebtesten Schwedischen Entwickler von Bootsrissen. Er lässt seine ganze paddeltechnische Erfahrung in seinen Bootstypen einfließen. Ein Mann der dazu steht, was er am liebsten macht: Boote für Paddler zu bauen, die nicht irgendein Kajak von der Stange möchten, sondern ein ganz besonderes Wasserfahrzeug.
Blue and White: Der Komplettausstatter
Auf ein neues Material, nämlich Polycarbonatcomposite vertrauen die
Hersteller von TNP bei ihren Paddelblättern. Der Werkstoff wird bereits für den Bau von extrem robusten Koffern eingesetzt. Rainer Bachmaier von Blue and White hatte die Modelle bereits dabei. Der leicht geriffelte Schaft, wahlweise aus Alu, Glas oder Carbon verleiht dem Paddel einen angenehmen Gripp. Ab 720 Gramm beginnt der Spaß und der Preis hält sich durchaus in Grenzen. Die Polycarbonatcomposite-Paddel gibt es sowohl als Doppel- als auch als Stechpaddel. Erstes nennen sich Pyxis und zweites Borr.
Paddeljacken für den Einsatz von Professional bis Freizeit gibt es ebenfalls neue bei Blue and White. Salto Pro heißt das Spitzenmodel, eine Seekajakjacke mit optimaler Bewegungsfreiheit, Neoprenbündchen, verstell- und einrollbarer Kapuze, drei Taschen, Doppelbündchen, Doppeltunnel und einem verstellbaren Neo-Halsabschluss.
Eine Klasse tiefer liegt Smooth, ebenfalls mit Neoprenbündchen an Hals und Armen, die deutlich angenehmer zu tragen und wesentlich strapazierfähiger als Latexbündchen sind. Ausgestattet wird die aus Nylon gefertigte Smooth selbstverständlich mit einer geräumigen Brusttasche.
Mit der Essentials vertreibt Blue and White eine Wildwasserjacke, wahlweise mit langen oder kurzen Armen. Ebenfalls mit Neoprenbündchen und Doppelkamin ausgestattet lässt sie sich angenehm tragen und bietet die nötige Bewegungsfreiheit.
Bei Packsäcken setzt Blue and White auf made in Germany. Die robusten Säcke mit klassischem Rollverschluss werden aus verschweißter 350 Gramm-LKW-Plane gefertigt und sind von zwei bis 60 Liter Volumen lieferbar. Deckrucksack- und Kartentaschen ergänzen ebenso das Sortiment wie die Reißverschlusstasche Chamäleon, dem Verwandlungskünstler. Sie eignet sich besonders zum Verstauen der nassen Kajakklamotten nach dem paddeln. Da läuft nicht heraus, da stinkt nicht heraus. Zudem sorgt beim umziehen, der riesige Deckel der Chamäleon-Tasche für trockene Füße.
Und obendrauf gibt es für die Wildwasserfraktion ganz neu den Helm Trident, der auf Grund seiner Optik speziell jüngere Paddler ansprechen dürfte. Doch an erster Stelle steht natürlich die Sicherheit. Der Trident wurde so konstruiert, dass er nicht nach hinten verrutschen kann und verfügt obendrein über einen Blendschutz. Der fittbare teillaminierte Helm wird mit Karbon verstärkt.
Lars Scheider zurück von Aland-Insel-Tour
Ach ja, und da war ja noch Lars Schneider am Stand von Lettmann zu treffen. Zusammen mit Frau Katrin kam der Fotograf und Verfasser mehrer Bücher von ihrer 400 Kilometer Tour über die Aland-Inselkette von Schwedischen Stockholm ins Finnische Turku zurück. Lars, der schon im Alter von drei Jahren zum ersten mal im Boot saß, seine Frau Katrin ein wenig später, dokumentierte die Reise fotografisch und filmerisch. Eine zwölf-Minuten Version der Überfahrt in Lettmann-Booten hatte er dabei und präsentierte sie vor begeistertem Publikum beim Händlerabend der Kanumesse.
Hier ein kleiner Vorgeschmack auf den Film. Zum Starten bitte auf's Bild klicken.
Kanuten, ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor!
Und zwei die bald zu einem werden, schafften es, die große politische Koalition ins Boot zu holen. Der BKT (Bundesvereinigung Kanutouristik) und der VDKS (Verband Deutscher Kanuschulen) präsentierten sich auf ihrem Gemeinschaftsstand, gleich neben dem Deutschen Kanu Verband (DKV). Sie luden, zusammen mit Messeveranstalter Horst Führsattel zum Messerundgang, dem sich auch die politische Prominenz anschloss, die Bundestagsabgeordneten und tourismuspolitischen Sprecher ihrer Parteien, Marlene Mortler (CDU/CSU), und Hans-Joachim Hacker (SPD).
Erstmals saßen die beiden Bundestagsabgeordneten dort gemeinsam in einem Kanu und symbolisierten damit auch ihre enge Zusammenarbeit im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages.
Die beiden Abgeordneten zeigten sich sichtlich überrascht über die Vielfalt der Messe und sicherten ihre Unterstützung zur Entwicklung der Kanubrache zu.
Ausdrücklich positiv hervorgehoben wurde die bevorstehende Fusion der Bundesvereinigung Kanutouristik (BKT) und dem Verband Deutsche Kanu- und Outdoorschulen (VDKS). „Die Fusion mit dem VDKS ist für uns eine logische Konsequenz, das Feld Kanutourismus und -ausbildung zukünftig gemeinsam zu bespielen", so die Vorsitzende der BKT, Stephanie Isenberg.
Oftmals unterschätzt wird der wirtschaftliches Aspekt der Kanubranche: Rund 32,- Euro lässt ein Kanufahrer durchschnittlich an Tagesausgaben in der Region, rund 1,3 Mio. Kanuten generieren im Jahresdurchschnitt einen Bruttoumsatz von 845 Millionen Euro und stellen damit einen entsprechenden Anteil in der aufstrebenden Outdoor-Branche.
Darüber hinaus engagieren sich laut Sportentwicklungsbericht 2009/10 15.000 Menschen regelmäßig im Deutschen Kanu-Verband (DKV) und erbringen damit eine Wertschöpfung von jährlich 140 Mio. Euro.
Diese positive Entwicklung im Kanubereich werde laut Ansicht der BKT-Vorsitzenden, Stephanie Isenberg und DKV-Vize- präsident, Hermann Thiebes, durch die aktuelle Diskussion um die Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwal- tung und die Einführung einer Vignettenpflicht bedroht. „Gerade Familien und kleine Kanu-Vereine wären von der Vignettenpflicht betroffen und würden ihre Aktivitäten spürbar reduzieren. Dies hätte auch Auswirkungen auf touristische Unternehmen an den Bundeswasserstraßen!" kritisierte Hermann Thiebes, Vizepräsident des Deutschen Kanu-Verbandes, die bekannt gewordenen Pläne.
Hier die News vom ersten Messetag
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