Da staunt der Laie! Gerade der Freistaat Bayern der mit seiner schönen Natur und Umwelt wirbt, vernachlässigt seine Gewässer. Während die Wasserrahmenrichtlinie der EU seit dem Jahr 2000 vorschreibt, dass die Ökologie und Durchlässigkeit der Oberflächengewässer verbessert werden muss,
haben die "Seppels" erst einmal zum zählen begonnen. Die Zahlen die nun die Datenbank des Amtes für Umwelt ausspuckt, sind verheerend: Insgesamt wurde abgeschätzt, dass es in den rund 25.000 km Fließgewässern, die bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie betrachtet werden, cirka 60.000 Querbauwerke gibt und rund 30.000 davon müssen als nicht durchgängig gelten. Ein Armutszeugnis!
Dass laut EU-Verordnung in den nächsten viel geschehen soll, lässt die bayerischen Fluss(ver)bauer kalt. In den kommenden zehn Jahren sollen jährlich gerade mal 50 Querbauwerke durchgängig gemacht werden. Und dann schaun mer mal. Um alle Querbauwerke durchgängig zu machen, bräuchte es rein rechnerisch 1.200 Jahre. Zum Vergleich: Die Ägypter erbauten die Cheops-Pyramide in nur einer Dynastie.

Trügerisches Idylle Flusskraftwerk
Schon jetzt stehen etwa 90 Prozent der bayerischen Fischarten auf der Roten Liste. Der Artenschwund wird hausgemacht. Zwar werden an manchen Wehren Umgehungsgerinne eingebaut, doch die geben Fischen nur die Möglichkeit zur Aufwärtswanderung. Flussab überleben sie nur in den seltensten Fällen die Kraftwerksturbinen. Das Wort "Durchgängigkeit" wird eben einseitig definiert: Es reicht wenn Fische von unten nach oben können, dass Fische auch Flussab schwimmen, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben.
Quelle: Positionspapier der Donau Naab Regen Allianz
Nackte Zahlen des Landesfischreiverbandes Bayern belegen dies: Bei der hohen Anzahl der Mainkraftwerke und den nachgewiesenen Schädigungsraten bei Aalen, kommen rein rechnerisch von 100.000 abwandernden Aalen aus dem Obermain nicht einmal 100 Stück lebend im Rhein an.

Am Kraftwerksrechen "gestrandet" an Land gezogen und verendet
Dass Wehre auch das Geschiebe aufstauen, mag zwar bekannt sein, wird aber in Sachen Durchlässigkeit ignoriert. Man könnte ja das Geschiebe oben ausbaggern und unten wieder einbringen. Die Kosten dafür trägt natürlich nicht der Kraftwerksbetreiber sondern der Steuerzahler. Genau dies führt zu einer immer gravierenderer Flussverschlammung und - versandung.
Viele Behördenvertreter haben sogar regelrechte Angst, in die Flussverschlammung einzugreifen. "Wenn da mal jemand die Schwermetallkonzentrationen misst, müssen wir das alles als Sondermüll entsorgen", so ein Behördenmitarbeiter, der lieber nicht genannt werden will. Zudem geht von der Verschlammung noch eine weitere Gefahr aus. Durch die Vergärung von organischem Material - also Pflanzenreste - die mit eingespült werden, setzt sie Methan frei, ein Klimagift, das 20 bis 30 mal wirkungsvoller eingestuft wird als CO2.
Doch anstatt die Wasserrahmenrichtlinie konsequent in die Tat umzusetzen, planen die Bayern noch viele weitere Kraftwerke.
An folgenden Standorten sollen laut EON-Masterplan neue Kraftwerke entstehen:
An der Donau in Lechsend und Neustadt, an der Iller in Illergries, Ausbau der Amper unterhalb Palzing, Nutzung der Isar zwischen Oberföhring und Achering, Auslauf Walchenseekraftwerk, am Lech bei Sandau / Aule, an der Wertach in Thalhofen. Nicht aufgelistet sind dabei die drei Kraftwerke die zwischen Straubing und Vilshofen im Zuge des Donauausbaus entstehen sollten, sowie viele weitere Kleinkraftwerke mit einer geringeren Jahresarbeit von einer GigaWattStunde.
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